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Im Gespräch
mit der Geschäftsführung

Foto: SMS group: Die Geschäftsführung, bestehend aus 4 Männern und einer Frau, sitzen bzw. stehen in einem Raum und diskutieren

Herr Dahmen, wie verlief das Geschäftsjahr 2020 für die SMS group?

Burkhard Dahmen

Das vergangene Jahr war geprägt von den Auswirkungen der Pandemie und hat uns als globalen Anlagenbauer vor völlig neue Herausforderungen gestellt, die wir aber auch weltweit gut bewältigen konnten. Dafür war vor allem das starke Miteinander entscheidend, das zur Kultur unseres Unternehmens gehört. Ich bin den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der gesamten Gruppe für ihren unermüdlichen Einsatz sehr dankbar. Wir haben zudem gemerkt: An Krisen können wir wachsen.

Wir haben gelernt, die digitalen und multimedialen Möglichkeiten in der täglichen Arbeit und auch bei Inbetriebnahmen zu nutzen.

Herr Heising, wie hat sich dieses Ausnahmejahr in den Zahlen niedergeschlagen?

Torsten Heising

Corona-bedingt gab es einen erwartet deutlichen Einbruch beim Auftragseingang. Auch der Umsatz befindet sich unter dem Vorjahresniveau. Vor dem Hintergrund der Pandemie haben wir einen deutlichen Verlust geschrieben. Dank konsequenter Maßnahmen konnten wir die Corona-Auswirkungen aber begrenzen. Unsere Liquiditätssituation ist weiterhin solide und wir haben sogar in diesem schwierigen Jahr einen positiven Cashflow erwirtschaftet. So haben wir auch weiterhin in Wachstum und Qualität investiert, etwa in unser Digitalisierungsgeschäft und die Erweiterung unseres Produktportfolios.

Herr Rzepczyk, Sie kümmern sich um die weltweite Projektabwicklung. Wie beurteilen Sie das Corona-Jahr?

Michael Rzepczyk

Regional haben wir einen starken Zusammenhalt unter allen Mitarbeitenden unserer Gruppe erlebt. Sie haben sich bei personellen Engpässen in Projekten gegenseitig unterstützt. Deshalb konnten wir trotz der Corona-Pandemie viele Projekte erfolgreich abwickeln. In meinen Augen ist das ein Beleg dafür, dass wir es geschafft haben, die SMS group operativ auf ein stabiles Fundament zu stellen, das uns auch durch ein durchwachsenes Jahr trägt. Dabei haben uns digitale Tools ganz besonders unterstützt.

Können Sie uns dazu mehr sagen?

Michael Rzepczyk

Wir arbeiten schon seit Jahren mit Lösungen wie dem digitalen Zwilling oder virtuellen Inbetriebnahmen. Davon haben wir letztes Jahr stark profitiert. Bei Metior in den USA haben wir beispielsweise eine Anlage mithilfe von Augmented Reality (AR) in Betrieb genommen. Das war nötig, weil das neue Antriebsdesign die Überwachung und Beratung durch ein technisches Expertenteam aus Deutschland erfordert hat. Die Einreise in die USA war aber nicht möglich. Stattdessen kam ein lokales Serviceteam aus Pittsburgh zum Einsatz, das wir mit AR-Brillen ausgestattet hatten. So konnte das deutsche Team in Echtzeit verfolgen, was vor Ort an der Anlage gerade erledigt wurde und entsprechend unterstützen.

Porträtfoto: SMS group: Burkhard Dahmen, CEO
Burkhard Dahmen,
CEO

Wir setzen auf neue Wachstumsfelder: Innovationen, gezielte Akquisitionen, neue Märkte sowie Geschäftsfelder und den Ausbau des margenträchtigen Servicegeschäfts.

Burkhard Dahmen,
CEO

Welche Entwicklungen haben das vergangene Geschäftsjahr für Sie besonders geprägt, Herr Ferkel?

Hans Ferkel

Da gab es eine ganze Menge. Gemeinsam mit der EMG Automation GmbH ist das System X-Roll® Guide FM zur Verbesserung des Bandlaufs in Warmbandstraßen entwickelt worden. Das dazugehörige X-Pact® Sense camera system ermittelt die Bandmittenlage zwischen den Gerüsten mit hoher Genauigkeit und schneller Abtastrate als Eingangssignal für eine automatische Schwenkregelung. So werden Schäden am Bandende beim Ausfädeln und die daraus resultierenden Walzenmarkierungen sowie Schäden der Bandoberfläche stark reduziert.

ExtruForm steht für ein kombiniertes Gieß-, Walz- und Extrusionsverfahren, mit dem Elektrowalzdraht und Schweißdraht hergestellt wird. Die ExtruForm-Linie ermöglicht eine erhebliche Verkürzung des Produktionszyklus im Vergleich zur traditionellen Herstellung von Walzdraht, indem mehrere aufeinanderfolgende Stufen aus der Prozesskette zusammengeschlossen werden. Dadurch sinken die Betriebskosten deutlich.

Als ein weiteres Entwicklungsprojekt möchte ich das neue Verfahren zum Recycling von Lithium-Ionen-Batterien nennen. Primobius ist ein Joint Venture, das wir zusammen mit dem australischen Unternehmen Neometals gegründet haben. Primobius hat hydrometallurgische Technologien zum Recycling von Lithium-Ionen-Batterien entwickelt, um wertvolle Rohstoffe umweltgerecht zurückzugewinnen und wieder in den Materialkreislauf zu bringen.

Porträtfoto: SMS group: Torsten Heising, CFO
Torsten Heising,
CFO

Dank konsequenter Maßnahmen konnten wir die Corona-Auswirkungen begrenzen und haben trotz der schwierigen Umstände in Wachstum investiert, etwa in unser Digitalisierungsgeschäft und die Erweiterung unseres Produktportfolios.

Torsten Heising,
CFO

Herr Dahmen, werden Sie die momentane Strategie der SMS group fortführen?

Burkhard Dahmen

Ja, da das Kerngeschäft auch nach Corona weniger Auslastung bringen wird, ist die Strategie unverändert richtig. Wir setzen konsequent auf neue Wachstumsfelder: Innovationen, gezielte Akquisitionen, neue Märkte sowie Geschäftsfelder und den Ausbau des Servicegeschäfts. Unseren Anspruch als Leading Partner unserer Kunden werden wir mit Produkt- und Prozessinnovationen weiter ausbauen.

Was ändert sich durch den starken Ausbau des Servicebereichs, Frau Windt?

Katja Windt

Wir werden immer mehr zum Systemanbieter und unterstützen unsere Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit integrierten Servicelösungen inklusive der Elektrik und Automation sowie der Digitalisierung. Wir helfen somit unseren Kunden bei der Steigerung ihrer operativen Performance. Schließlich sind wir in der Lage, diese integrierten Servicedienstleistungen und Anlagentechnologien aus einer Hand anzubieten. Das reicht vom klassischen Engineering bis hin zu Outsourcing-Lösungen und neuen Geschäftsmodellen.

Deckt sich das mit den Marktanforderungen?

Katja Windt

Unsere Kunden investieren in die Optimierung, den Service und die Digitalisierung sowie neue Automationslösungen für ihre Anlagen. Unsere neuen Geschäftsmodelle wie Software as a Service und Equipment as a Service kommen im Markt gut an. Ein Kunde hat uns beispielsweise mit der Lieferung einer Pulververdüsungsanlage zur Herstellung von hochqualitativem Metallpulver beauftragt. Dabei setzen wir erstmals auf ein Equipment-as-a-Service-Geschäftsmodell: Wir bleiben Eigentümer der Anlage und werden vom Kunden auf Basis der produzierten Menge Edelstahlpulver vergütet.

Porträtfoto: SMS group: Prof. Dr.-Ing. Katja Windt, CDO
Prof. Dr.-Ing. Katja Windt,
CDO

Wir werden immer mehr zum Systemanbieter und unterstützen unsere Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit integrierten Servicelösungen inklusive der Elektrik und Automation sowie der Digitalisierung, um ihre Leistungskennzahlen zu steigern.

Katja Windt,
CDO

Herr Heising, die SMS group hat sich global neu strukturiert. Können Sie uns die neue Organisation kurz erläutern?

Torsten Heising

Unser Projektgeschäft lebt vom direkten, lokalen Kontakt mit unseren Kunden. Darauf haben wir aufgebaut und unsere interne Struktur angepasst. Unsere neue Organisation stellt das Projekt und damit den Kunden in den Mittelpunkt. Wir übertragen die Ergebnisverantwortung in die Region unserer Kunden, wo die Projekte entstehen und abgewickelt werden. Wir können so am Markt schnell und zielgerichtet agieren und auf unterschiedliche regionale Herausforderungen besser eingehen – auf umweltpolitische Neuerungen ebenso wie auf ressourcen- oder marktbedingte Veränderungen. Zudem haben wir regional übergreifende Centers of Excellence eingerichtet, die insbesondere für die Produktentwicklung zuständig sind. Sie sind einheitlich und global für ihre Produkte verantwortlich, unabhängig von den Gesellschaften. Abwicklungsverantwortung tragen sie künftig nur bei kleineren Projekten.

Die Stahlproduktion muss grüner werden. Herr Ferkel, welche Maßnahmen hat die SMS group ergriffen, um diesen Forderungen gerecht zu werden?

Hans Ferkel

Zusammen mit unserem Unternehmen Paul Wurth haben wir eine Roadmap und einen Baukasten zur Dekarbonisierung der Metallindustrie entwickelt, die es unseren Kunden erlauben, die für sie am besten geeigneten Maßnahmen zur CO2-Reduktion umzusetzen. Green Steel ist hierbei das Schlagwort. Wir sehen uns in der Verantwortung, als Enabler unsere Kunden bei der Transformation zu einer nachhaltigen, klimaneutralen Werkstoffproduktion zu begleiten. Dafür haben wir in der Vergangenheit bereits Weichen gestellt. Aber wir sind noch lange nicht am Ende der Entwicklung angekommen. Ein wichtiger Schritt: Wir haben das Unternehmen Paul Wurth vollständig übernommen. Das stärkt unsere Kompetenz als Anlagenbauer in der Metallurgie und Wasserstofftechnologie weiter.

Wie wird sich diese Übernahme organisatorisch auswirken?

Hans Ferkel

Wir werden den Standort in Luxemburg zum gruppenweiten Forschungs- und Entwicklungszentrum für Dekarbonisierung und Anwendung von Wasserstofftechnologien ausbauen. Dazu bündeln wir zukünftig rund um diese Themen die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von SMS und Paul Wurth. Das gemeinsame Leistungsspektrum umfasst dann alle Technologien zur Senkung von CO2-Emissionen in bestehenden Stahlwerken, die wasserstoffbasierte, CO2-freie Direktreduktion von Eisenerz sowie Power-to-X-Technologien für die Herstellung synthetischer Brennstoffe und nachgelagerter Produkte.

Burkhard Dahmen

Mit unserem breiten Spektrum an Dekarbonisierungs-Technologien können wir unsere Kunden in jeder Phase der Transformation unterstützen. Das gilt sowohl für bestehende Anlagen als auch für Investitionen in Brückentechnologien hin zu einer klimaneutralen Stahlerzeugung.

Porträtfoto: SMS group: Prof. Dr. Hans Ferkel, CTO
Prof. Dr. Hans Ferkel,
CTO

Wir sehen uns in der Verantwortung, als Enabler unsere Kunden bei der Transformation zu einer nachhaltigen, klimaneutralen Metallproduktion zu begleiten.

Hans Ferkel,
CTO

Für ihre Wandlungsfähigkeit wurde SMS im vergangenen Jahr vom Bundesland Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Was bedeutet dieser Preis für die SMS group, Herr Heising?

Torsten Heising

Auszeichnungen wie diese zeigen, dass wir als zukunftsfähiges Unternehmen wahrgenommen werden. Denn prämiert wurden ja Akteure, die den Strukturwandel des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen hin zu einem zukunftsstarken Wirtschaftsstandort vorantreiben. Dass wir als eines von elf herausragenden Unternehmen ausgezeichnet wurden, macht uns natürlich stolz. Wir wollen diesen Willen zur ständigen Veränderung und Verbesserung beibehalten, insbesondere durch die Stärkung unserer Innovationskraft. Wie auch das Motto des diesjährigen Geschäftsberichts zeigt: Wir wollen „smart forward“ gehen. Das bedeutet, mit klugen und nachhaltigen Entscheidungen zu wachsen und für eine stabile zukunftsfähige Entwicklung zu sorgen.

Porträtfoto: SMS group: Michael Rzepczyk, COO
Michael Rzepcyk,
COO

Wir haben es geschafft, die SMS group operativ auf ein stabiles Fundament zu stellen, das uns auch durch ein durchwachsenes Jahr trägt.

Michael Rzepczyk,
COO

In Mönchengladbach wurde gerade der Grundstein für den neuen Campus gelegt. Was hat die SMS group zu dem Neubau bewegt?

Torsten Heising

Mit unserem neuen Campus erschaffen wir einen zentralen Standort auf der Rheinschiene. Der moderne Gebäudekomplex wird die Basis für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rheinland. Damit senken wir die Betriebskosten von zuletzt fünf Standorten in der Region und schaffen darüber hinaus eine Plattform für Kreativität, Austausch und gegenseitige Inspiration. Das fördert flexible Projekt- und Teamarbeit, auch international.

Katja Windt

Wir bringen nicht nur Technologien und Schnittstellen für unsere Zukunftsfelder zusammen, sondern vor allem die Menschen, die mit ihrem Know-how und Mindset immer einen Schritt weiterdenken und dem Campus eine gemeinsame Identität geben werden. Diese sich gegenseitig unterstützenden Teams sind es, die unser Technologie-, Service- und Digitalisierungszentrum einzigartig und erfolgreich machen werden. Daher werden wir die neueste digitale Infrastruktur und effiziente digitale Prozesse in unserem neuen Headquarter installieren.